Bericht im Teckbote

 

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Bericht im Teckbote über unsere Luftaufnahmen der Martinskirche in Kirchheim bei der Dachrenovierung (von Iris Häfner).

Eine Spinne hoch über der Martinskirche

 Unweigerlich bleibt der Blick an dem seltsamen Gestell hängen, das auf dem Kirchheimer Kirchplatz zwischen Martinskirche und Max-Eyth-Haus steht. Spinnengleich hat es acht gewinkelte Metallbeine und an jedem
 Ende dieser Füße sind zwei kleine Rotorblätter angebracht. Wer das ungewöhnliche Etwas näher unter die Lupe nimmt, stellt fest, dass am Rumpf eine Kamera befestigt ist.

Mehrere Männer stehen ins Gespräch vertieft in unmittelbarer Nähe des Gegenstands und schauen hin und wieder Richtung Kirchendach und Turm. Es drängen sich Fragen auf, die Werner Dresel gerne beantwortet. Er ist Kirchenge­meinderat bei der Martinskirchen­gemeinde und hat sich die Dokumentation der umfangreichen Dachsanierung auf die Fahnen geschrieben. „Weil ich aus dem Hessenland komme, kenne ich Daniel Granato und habe ihn gebeten, Aufnahmen von den Dacharbeiten zu machen“, erzählt Werner Dresel. Der Wunsch nach diesem speziellen Fotografen wird schnell deutlich: Daniel Granato aus Hanau ist stolzer Besitzer eines Oktokopters, umgangssprachlich auch als Drohne bekannt. Damit kann er das gewünschte Objekt aus der Vogelperspektive filmen und fotografieren. „Ich will der Nachwelt die einzelnen Arbeitsschritte erhalten und mache immer wieder Fotos – und dieser Blick von oben ist einfach was Besonderes“, freut sich Werner Dresel.

Daniel Granato ist deswegen bereits zum zweiten Mal in Kirchheim. Der erste Versuch scheiterte wegen des plötzlich auftretenden Windes, und auch beim erneuten Anlauf gab es eine Verzögerung. Dieses Mal machte allerdings nicht die Witterung einen vorübergehenden Strich durch die Rechnung, sondern die Technik. Das Fluggerät ist mit Kompass und GPS, dem globalen Positionsbestimmungssystem, ausgestattet. „Damit lässt es sich auf den Zentimeter genau steuern“, erklärt Daniel Granato. Doch zunächst bekommt er kein GPS-Signal, weshalb sein Oktokopter am Boden bleibt. Als es schließlich so weit ist, kommt es aber zu keiner allzu langen Flugzeit, denn der Akku entlädt sich auch bei der Suche nach den Signalen aus dem All. Doch beim zweiten Flug kann der Modellpilot voll durchstarten. In flottem Tempo steigt das ungewöhnliche Flugobjekt senkrecht in die Höhe. „Das hört sich an wie ein Hummelschwarm“, beschreibt einer der Zuschauer das Geräusch.

Ein kleiner Monitor an der Fernsteuerung zeigt den Bodenbeobachtern die Sichtweise der Kamera, und Werner Dresel kann Wünsche äußern: „Flieg doch mal zum Gerüst – nein, noch ein kleines Stück weiter – ah, da sind die Gauben. Können wir die neuen und alten draufkriegen?“ Jedes Mal, wenn der gewünschte Blickwinkel stimmt, drückt Daniel Granato auf den Auslöser und schießt ein Foto. „Der Akku schreit“, informiert er seine Zuschauer und startet den Landevorgang. Der Wechsel geht schnell vonstatten, und schon schraubt sich der Oktokopter mithilfe von acht Motoren – an jedem Rotor einer – wieder gen strahlend blauem Himmel.

Das Gerät gibt es in dieser Form nicht im Handel. „Ich habe ihn in der Grundausstattung gekauft und dann herumgebastelt und verfeinert“, verrät Daniel Granato. Auf der Grundlage des UAV (Unmanned Aerial Vehicle – Unbemanntes Luftfahrzeug) kann die Drohne senkrecht starten. „Sie ist leicht und dank der acht Rotoren im Gegensatz zu den nur mit vier ausgestatteten wendiger und bei Wind manövrierfähig. Vierer-Drohnen sind Spielzeug“, zeigt der Copterpilot die Unterschiede auf. Sensoren gleichen die Bewegungen aus, weshalb die Kamera auch bei stärkerem Wind immer ruhig und präzise bleibt, denn nur, wenn der Oktokopter stabil in der Luft schwebt, gelingen Aufnahmen in der gewünschten Qualität. Das alles hat seinen Preis: Rund 15 000 Euro kostet dieses Wunderwerk der Technik.

Bis sich solch ein unbemanntes Luftfahrzeug allerdings in die Lüfte erheben kann, ist einiges zu beachten und Vorschriften einzuhalten. Ohne Genehmigung der Landesluftfahrtbehörde Baden-Württemberg geht gar nichts. „Ich darf nur hier an der Martinskirche starten und fliegen und maximal bis zu einer Höhe von 60 Metern. Über Menschen darf ich nicht fliegen und muss sofort landen, wenn ich ein Flugzeug oder einen Hubschrauber höre“, erklärt Daniel Granato. Einhalten muss er zudem einen 1,5 Kilometer weiten Abstand zu einem Flugplatz – Glück für Werner Dresel, dass die Hahn­weide doch ein bisschen weiter weg vom Stadtkern ist. Vorgeschrieben ist auch der Zeitraum. Die Erlaubnis liegt dem Hanauer nur für den Zeitraum von November 2013 bis 31. März dieses Jahres für höchstens fünf Fotosessions vor. „Außerdem ist Sichtkontakt mit dem Oktokopter Pflicht, und die Polizei muss informiert sein – die Behörden haben Angst vor Terroristen“, hat Daniel Granato Verständnis für das bürokratische Drumrum.

Recht schnell hat er sein Hobby Modellfliegen nebenberuflich bei der Firma Dronestar genutzt. „Ich bin immer nur Copter geflogen, und das sind jetzt etwa eineinhalb Jahre“, verrät er. Erste Probeflüge unternahm er im Garten, auf dem Feld und auf Modellflugplätzen. Dann erwachte sein Pioniergeist. „Ich fing halt an, hier und dort ein Stück zu verbessern, und irgendwann habe ich eine Kamera angehängt“, erzählt Daniel Granato, denn schließlich hat er schon immer fotografiert. Ein Fotokurs half dann, sein Wissen zu erweitern. Wichtig neben einer leichten Kamera, in seinem Fall ist es eine Sony NEX-5N, ist eine gute Kamerahalterung. „Es muss alles leicht sein, dann kann man länger fliegen“, so der Hanauer. Dank GPS lasse sich der Oktokopter relativ einfach steuern, hält sich gut in der Luft und fängt die eine oder andere Luftströmung ab. „Die Bilder sind wunderbar und auch für unsere Dachpaten interessant“, ist Werner Dresel mit dem Resultat mehr als zufrieden.

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